Interview mit Mountainbiker Philipp Joachim Gerken
Philipp Joachim Gerke über die Zukunft seines Lieblingssports, vergammelte Daddel Wochenenden und über Freiflugstunden vom Starting Tower.
Angenommen, Mountainbikes wären nie erfunden worden – wie würde Dein Leben heute aussehen?
Ich würde wahrscheinlich schon jetzt irgendetwas studieren. Weiterhin Badminton und Videospiele daddeln und das ganze Jahr über an den Wochenenden rumgammeln.
Was liebst Du am meisten am Mountainbiken und was ist das Unangenehmste?
Der Faktor Freiheit spielt für mich die größte Rolle. Man fährt einen Trail mit grandiosem Blick aufs Tal und ist weit weg vom Alltagsstress. Während der Abfahrt jagt man sich gegenseitig mit seinen Freunden. Es fährt nicht jeder für sich, sondern WIR.
Lust und Frust liegen sehr nahe beieinander, wenn man den einen Tag noch an seinem Lieblingsspot unterwegs ist und am nächsten Morgen alles mit Baggern planiert wurde. Der ganze Downhill dann noch mit Nagelbrettern garniert und schon kriegt man mal wieder den Eindruck, dass manche Menschen einfach zu viel Zeit haben.
Unangenehm sind auch die letzten 30 Sekunden vor dem Finalrun – das unangenehme Gefühl im Bereich des Darmausgangs während die Zeit nicht verstreichen will, kennt glaubig jeder. ;)
Dein Lieblings-MTB-Spot?
Das ist auf jedenfall Portes Du Soleil im französisch-schweizerischem Grenzgebiet. Downhills auf den endlos langen Bergkämmen, alle Trails lift-serviced und Morzine als Ausgangspunkt mit DER Downhillszene in den Alpen – heaven on earth. Kanada mit Kelowna, Squamish und Whistler ist auch ganz gut... ;)
Wie sieht ein Wochenende ohne Bike aus?
Freitag Abend geht es aufjedenfall in die City zum Partymachen. Der Samstag fällt dann meist flach. ;) Die restliche Zeit nutze ich dann für unwichtige Dinge, wie Werkstatt, Auto und PC aufräumen. Nebenbei läuft Metal, zum Entspannen, und ich bin am Mails beantworten.
Man trifft sich auch mal wieder mit den ehemaligen Schulkumpelinen/- und Kumpels, die man leider aus den Augen verloren hat.
Hast Du Vorbilder? Was macht für dich einen „herausragenden“ MTBer aus?
Sam Hill – in ihm hatte ich mich irgendwie wiedererkannt. Unabhängig von seinen ausserirdisch guten Ridingskills wirkt er sehr zurückhaltend, selbstbewusst und auf dem Boden geblieben.
Vielleicht nicht genau die Charakterzüge, aber eben die Persönlichkeit ansich machen einen herausragenden MTBer aus.
Wo siehst Du den MTB-Sport in 10 Jahren? Und wo siehst Du dich persönlich?
Der MTB-Sport wird noch weiter an Bekanntheit erlangen. Das allgemeine Klischée Unwissender „MTBing geht doch nur in Lycra mit rasierten Beinen“ ist schon lange überholt.
Die Diziplinen untereinander werden sich noch weiter vermischen, was auch zur Folge haben wird, dass eine „Eierlegende Wollmilchsau“, ein Radl für alles, für den 0815-MTBer entwickelt wird. Technisch werden sich auch die verwendeten Materialien verändern. Speziell Carbon und Getriebeantriebe werden künftig standardmäßig sein.
Speziell Downhill und 4X wird meiner Meinung nach spätestens in zwei Jahren auch im TV übertragen werden, wie es früher schon getan wurde.
Was war dein größter Erfolg? Was deine größte Niederlage?
Mein größter Erfolg war mein erster Sponsorshipdeal. Ich merkte für mich, dass sich die investierte Zeit, das Geld, die guten und schlechten Momente und die harte Arbeit gelohnt hatten. Genau das widerfuhr mir auch dieses Jahr, als ich im August den Titel des Vize-Niedersachsenmeisters 2009 mein Eigen nennen durfte.
Zu Beginn meiner ersten Wettkampfsaison brach ich mir 2005 mein Schlüsselbein, das mit einigen Schrauben und einer Schiene repariert wurde. Der psychische Rückschlag war schon größer als der Physische, obwohl ich heutzutage noch leichte Bewegungseinschränkungen und meine taube Haut an der linken Schulter habe.
Ein Urlaubsziel?
Mit Radl: Portes Du Soleil / Frankreich und British Columbia / Kanada
Ohne Radl: Sydney & Cairns / Austrailien
Was möchtest Du unbedingt nochmal machen in Deinem Leben?
Eine Weltreise steht bei mir ganz oben – ich liebe Reisen, mit und ohne Fahrrad.
Bungeejumpen, Fallschirmspringen und, träumen darf man?, als Weltraumtourist in den Orbit.
Was war das Peinlichste, was Du je erlebt hast?
Haha...ja, das war 2008 beim iXS-GDC #1 in Winterberg, als ich beim Start meines Finalruns so stark ;) in die Pedale trat, dass mein Hinterrad durchrutschte und ich im Köpper vom Startturm flog. Direkt daneben, wo ich nach 4m einschlug, stand Boris, mein Racingdude, der mich mit seinem Megaphon anfeuerte. :D
Das war´s auch schon. Vielen Dank!
Mehr Infos auf: www.philippgerken.de
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